Wie verankert man Projektergebnisse nachhaltig in der Stadt?
Berliner in Simmering
Eine städtische Delegation aus Berlin besuchte vom 13. bis 15. Oktober 2026 Wien, um sich im Rahmen einer von der EU-geförderten C2C-Städtekooperation Wiener Lösungen zu Fragen von energetischer Transition zu informieren (C2C = City to City). Die Wiener Gastgeber*innen waren die Kolleg*innen des Stadterneuerungspgrogramms WieNeu+, das in der Stadt Wien – Technische Stadterneuerung (MA 25) verankert ist.
Ein besonderer Programmpunkt war ein Besuch bei Smarter Together in Simmering.
Wohlfühloase Innenhof der NMS Enkplatz 4

Besuch bei Smarter Together in Simmering
Themenschwerpunkt des Besuchs waren Energiefragen und in Simmering speziell die Innovationsmaßnahmen und Prozesse, die im Rahmen von Smarter Together angestoßen wurden.
Smarter Together war ein von der EU gefördertes und gemeinsam mit München und Lyon umgesetztes Smart City-Projekt. Es wurde 2015 eingereicht und von 2016 bis 2021 umgesetzt. Es flossen über 7 Mio. Euro an EU-Fördergeldern nach Wien.
Die zentrale Frage bei allen Projekten ist, wie überträgt man Ergebnisse von einmaligen Projekten in den standardisierte Verwaltungsprozesse in der Stadt und den zahlreichen Partnereinrichtungen?
Wie hat es Smarter Together geschafft, dass so vieles, was erstmals Dank EU-Fördergelder ausprobiert wurde, nun selbstverständlich Teil der Stadt Wien ist und von den Projektpartner*innen weitergeführt wird?
Bojan Schnabl, Mitglied des seinerzeitigen Smarter Together Teams, stellte im Rahmen einer Führung durchs Smarter Together-Projektgebiet das Projekt den Berliner Gästen vor und zeigte Lösungen auf, für die Smarter Together wegweisend war.
Berliner Delegation in der Aula der NMS Enkplatz 4
Wohlfühloase begrünter Vorhof der NMS Enkplatz 4
Vorhof NMS Enkplatz 4 mit der Kirche am Enkplatz im Hintergrund
Ein holistisches Projekt
Bereits die Ausgangslage war spannend: Die EU-Kommission forderte in der Ausschreibung ein holistisches Projekt, das transdisziplinäre Lösungen erforderte. Diese sollten für die Aufgaben der Stadterneuerung wegweisend sein. Smart City Lösungen in den Bereichen großflächiger Wohnbausanierung, Energie, E-Mobilität und Datenmanagement waren gefragt.
Wien fügte dem noch den zentralen politischen Auftrag hinzu: Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ganz in den Vordergrund zu rücken.
Das Smarter Together interpretierte diese Anforderung noch weiter:
- Beteiligung nicht nur der Zielgruppen der einzelnen Projekte sondern auch
- Einbindung der breiten Bevölkerung,
- Aktivierung von Kindern und Jugendlichen,
- Einbindung zahlreicher Akteure wie
- Gebietsbetreuung Stadterneuerung (GB*),
- Schulen im Bezirk,
- Balu & Du, Jugendarbeiter und Streetworker,
- VHS Simmering,
- Science Pool,
- wohnpartner im Gemeindebau
- Universitäten und Studierende u.v.m.
Ko-Kreation
Ein besonderes Augenmerk wurde der Beteiligung aller Akteure in einem ko-kreativen Prozess geschenkt. Dank der von der EU finanzierten Personenstunden, konnten zahlreiche Mitarbeiter verschiedenster Dienststellen der Stadt Wien sowie der Projektpartner für die Mitarbeit abgestellt werden und zwar mit dem ausdrücklichen Auftrag, über den Tellerrand zu denken – „out of the box“ – und sich innovative Lösungen auszudenken. Durch den vielfältigen Projektauftrag trug Smarter Together noch den Charme der transdisziplinären Arbeit bei. So wurde Smarter Together Teil der persönlichen Lebensgeschichte aller Beteiligten. Schon während der Laufzeit und nach Projektende konnten nun diese Beteiligten ihre Erfahrungen und Innovationen ganz natürlich in ihre angestammten Dienststellen einbringen und dort weiterentwickeln.
Besonders hervorzuheben sind gerade bei Innovationsprojekten Fragen der Organisationskultur, der gemeinsamen Vision und der gemeinsamen Werte, die durch das Projekt vermittelt werden (sollen). Diese grundlegenden Orientierungen sind sehr früh in einem ko-kreativen Prozess zu entwickeln, weil damit die individuelle kreative Kraft in ein gemeinsames Ziel gesteuert wird. Bei Smarter Together – Gemeinsam g’scheiter wurde etwa bereits durch die Benennung die Grundlage für eine gemeinsame Vision gelegt. Die Organisationskultur hat dann zur Projektdynamik und somit zur Nachhaltigkeit beigetragen.
Innovationen anstoßen und skalieren
Vieles, was im Rahmen von Smarter Together erstmals ausprobiert und angestoßen wurde, ist nun Standard in der Stadt Wien und wurde somit skaliert: innovative energetische Lösungen bei Schulsanierungen und Schulneubauten, Photovoltaik auf Gemeindebauten Neu, die Wien Mobil Stationen, Paketzustellung der Post mit E-Vans, niederschwellige Beteilung durch das Büro für Beteiligung, Nutzung von Abwärme von Datenzentren fürs Heizen, FIREWARE-Datenplattform, lokale Energiepläne u.v.m. Viele wurde auch weiterentwickelt. Nicht zuletzt wurde aus der Wiener Smart City Rahmenstrategie die Wiener Smart Klima Strategie, wie eben auch Smarter Together zuvor von einem Smart City-Projekt zu einem Klimaprojekt wurde.
Die NMS Enkplatz 4: Eine Schule die jeder gerne besucht.
Ein besonderes Highlight im Rahmen des Besuchs der Berliner*innen war eine Führung durch die NMS am Enkplatz 4: eigentlich sind es zwei Schulen unter einem Dach, eine mit Schwerpunkt Sport, die andere mit Schwerpunkt Kunst.
Auf Initiative von Smarter Together wurden 4 unterirdische Turnsäle errichtet sowie ein Erweiterungsbau mit 16 Schulklassen. Alles mit innovativen und integrierten Energielösungen mit 16 Erdwärmesonden mit je 150 Meter Tiefe, Photovoltaik am Dach, Solarwärme, Wärmepumpen sowie der Fernwärme als Backup zumal der alte Schulteil damit beheizt wurde. Auch eine Temperierung wurde dank des notwendigen Erdwärmekreislaufs erstmals eingerichtet.
Die Beteiligung der Schüler*innen war durchwegs intensiv und kreativ. Ihre Wünsche wurden abgefragt und im Planungsprozess berücksichtigt.
Die Schulerweiterung durch Smarter Together führte nun zur Sanierung des historischen, denkmalgeschützten Teils der Schule, die nun abgeschlossen ist. Am Dach des alten Schultrakts ist sogar eine PV-Anlage, die seinerzeit im Rahmen von Smarter Together schon diskutiert aber noch nicht möglich war.
Ein besonderes Dankeschön!

Der Besuch der Berliner Delegation gab die Gelegenheit, noch einmal ein herzliches und persönliches Dankeschön an die Direktorin der Sport-NMS Enkplatz 4, Frau Martina Vogel-Waldhütter auszusprechen.
Über die Jahre war Martina Vogel-Waldhütter eine wichtige Stütze im Sanierungsprozess der Schule, hat sich mit fachlich fundierten kreativen Ideen eingebracht und ihre Schüler*innen in den Prozess aktiv miteinbezogen. Ad hoc wurde ein besonderes Dankeschön ersonnen, weil Innovation auch eine zutiefst menschliche Dimension hat, denn sie beruht auf dem Engagement aller Beteiligten, das „Smarter Together – IBA_Wien-Dankeschön für ko-kreative Partizipation und Einbeziehung der Schüler*innen“.
Beim Besuch der Berliner Delegation war klar, die NMS-Enkplatz ist eine Vorzeigeschule, die man als Schüler*in gerne besucht und die sich so mancher aus der Delegation gewünscht hätte.
PS:
Smarter Together war auch Teil der wegweisenden IBA_Wien, Neues soziales Wohnen von 2016 bis 2022. IBA steht für „Internationale Bauausstellung“. Sie hat über Jahre zahlreiche Wiener Akteure zu Fragen des sozialen Wohnen zusammengeführt, den Diskurs angeregt und gepflegt und so zum gemeinsamen Verständnis aller beigetragen, wie wir und unser lebenswertes Wien der Zukunft vorstellen: mit leistbarem Wohnen mit höchsten Qualitäten. Ein lebens- und liebenswertes Wien eben.
Enzi im Innenhof der NMS am Enkplatz
IBA_Wien Sackerl am Vorhof der NMS Enkplatz 4
Innenhof der NMS Enkplatz 4 mit Blick auf die Kirche
Was ist WieNeu+?
Das Stadterneuerungspgrogramm WieNeu+ trat 2021 die Nachfolge von Smarter Together – Gemeinsam g’scheiter an. Dieses wurde bereits 2015 bei der EU im Rahmen von Horison 2020 eingereicht und 2016 bis 2021 umgesetzt.
Bei WieNeu+ stehen energetisch und klimatisch innovative Sanierungsprojekte von Wohngebäuden im Fokus. Diese werden vernetzt, gefördert und begleitet. Ganz wichtig ist wieder die Beteiligung: einerseits der Akteure, die große Projekte umsetzen können und andererseits der breiteren Bevölkerung in vielen zu 100 Prozent geförderten Mitmachprojekten ihren Beitrag zur Lebensqualität leisten. Die Förderschiene dazu heißt Grätzlmarie.
Gearbeitet wird in WieNeu+ wieder – wie in Smarter Together – in Programmgebieten. Dabei werden Synergien geschaffen und genutzt: In Innervoriten (2021-2023), im Grätzl 20+2 (2023-2025) und in Hernals (2026-2028).
Bericht Innerfavoriten (auch als PDF)
Bericht Grätzl 20+2 (auch als PDF)
English Summary / Zusammenfassung in Englisch:
Berliners in Simmering : How can project outcomes be embedded sustainably within the city?
A delegation from the City of Berlin visited Vienna from 13 to 15 October 2026 to learn about Viennese solutions to issues relating to the energy transition as part of the EU-funded C2C city partnership (C2C – City to City). The Viennese hosts were colleagues from the Urban Renewal Programme WieNeu+, which is part of the City of Vienna’s Department for Technical Urban Renewal (MA 25). Visit to Smarter Together in Simmering Smarter Together was an EU-funded smart city project implemented in collaboration with Munich and Lyon. It was submitted in 2015 and implemented between 2016 and 2021. Vienna received over 7 million euros in EU funding. The key question across all projects is: how can the results of one-off projects be transferred into the standardised administrative processes of the city and its numerous partner organisations? Bojan Schnabl, a member of the former team, introduced the project to the guests from Berlin during a guided tour of the former Smarter Together project area and highlighted solutions for which Smarter Together had paved the way. A holistic project The Smarter Together project interpreted this requirement even further: Co-creation Particular emphasis should be placed, especially in innovation projects, on issues of organisational culture, a shared vision and shared values, which the project is intended to convey. These fundamental guiding principles must be developed very early on in a co-creative process, as they channel individual creative energy towards a common goal. In the case of ‘Smarter Together – Gemeinsam g’scheiter’, for example, the very name laid the foundation for a shared vision. The organisational culture then contributed to the project’s momentum and, consequently, to its sustainability. Initiating and scaling up innovations NMS Enkplatz 4: A school that everyone enjoys attending. A particular highlight of the Berliners’ visit was a guided tour of the NMS at Enkplatz 4: it is actually two schools under one roof, one specialising in sport and the other in the arts. A special thank you! PS: ‘Smarter Together’ was also part of the pioneering IBA_Vienna, ‘New Social Housing’, from 2016 to 2022. IBA stands for International Building Exhibition. Over the years, it has brought together numerous Viennese stakeholders to discuss issues of social housing, stimulated and fostered discourse, and thus contributed to a shared understanding of how we envisage our liveable Vienna of the future: with affordable housing of the highest quality. In short, a Vienna that is both liveable and lovable. What is WieNeu+? Translated with DeepL.com (free version)
A highlight of the programme was a visit to Smarter Together in Simmering.
The visit focused on energy issues and, in Simmering specifically, on the innovative measures and processes initiated as part of the Smarter Together project.
How has Smarter Together managed to ensure that so much of what was first trialled thanks to EU funding is now an integral part of the City of Vienna and is being continued by the project partners
The starting point was already exciting: in its call for proposals, the European Commission called for a holistic project requiring transdisciplinary solutions. These were intended to be pioneering for the challenges of urban regeneration. Smart city solutions were sought in the areas of large-scale housing renovation, energy, e-mobility and data management.
Vienna added a key political mandate to this: to place citizen participation at the very forefront of the process.
o schools in the district,
o youth workers and street workers,
o Simmering Adult Education Centre (VHS),
o Science Pool,
o residents’ representatives in council housing,
Particular attention was paid to the participation of all stakeholders in a co-creative process. Thanks to the person-hours funded by the EU, numerous staff members from a wide variety of City of Vienna departments, as well as from the project partners, were able to be seconded to the project with the express mandate to think outside the box and devise innovative solutions. Due to the diverse nature of the project remit, Smarter Together also brought the charm of transdisciplinary work to the table. In this way, Smarter Together became part of the personal life stories of all those involved. Both during the project and after its conclusion, these participants were able to naturally incorporate their experiences and innovations into their respective departments and develop them further there.
Much of what was first trialled and initiated as part of Smarter Together is now standard practice in the City of Vienna and has thus been scaled up: innovative energy solutions for school refurbishments and new school buildings, solar panels on ‘Gemeindebauten Neu’ housing estates, the Wien Mobil stations, parcel delivery by the Post using electric vans, low-threshold participation facilitated by the Office for Participation, the use of waste heat from data centres for heating, the FIREWARE data platform, local energy plans and much more. Many of these have also been further developed. Last but not least, the Vienna Smart City Framework Strategy evolved into the Vienna Smart Climate Strategy, just as ‘Smarter Together’ had previously evolved from a smart city project into a climate project.
On the initiative of Smarter Together, four underground sports halls were built, along with an extension housing 16 classrooms. All of this was achieved using innovative and integrated energy solutions, including 16 geothermal probes, each 150 metres deep, rooftop photovoltaic panels, solar thermal systems, heat pumps and district heating as a backup – particularly as the old part of the school was heated by this system. Temperature control was also installed for the first time, thanks to the necessary geothermal circuit.
The pupils’ involvement was consistently intensive and creative. Their wishes were sought and taken into account during the planning process.
The school extension carried out by Smarter Together has now led to the refurbishment of the historic, listed part of the school, which is now complete. There is even a photovoltaic system on the roof of the old school wing, which had been discussed at the time as part of Smarter Together but was not yet feasible.
The visit by the Berlin delegation provided an opportunity to once again express a heartfelt and personal thank you to the headteacher of the Sport-NMS Enkplatz 4, Ms Martina Vogel-Waldhütter.
Over the years, Martina Vogel-Waldhütter has been a key pillar of support in the school’s regeneration process, contributing creative ideas and actively involving her pupils in the process. A special thank-you was devised on the spot, because innovation also has a deeply human dimension, as it is based on the commitment of everyone involved: the “Smarter Together – IBA_Vienna Thank You for co-creative participation and the involvement of pupils”.
During the Berlin delegation’s visit, it became clear that NMS Enkplatz is a flagship school that pupils enjoy attending and which many members of the delegation would have liked to have attended themselves.
The urban regeneration programme WieNeu+ succeeded ‘Smarter Together – Gemeinsam g’scheiter’ in 2021. The latter had already been submitted to the EU in 2015 as part of Horizon 2020 and was implemented from 2016 to 2021.
WieNeu+ focuses on energy-efficient and climate-friendly renovation projects for residential buildings. These projects are networked, funded and supported. Participation is once again key: on the one hand, from stakeholders capable of implementing large-scale projects; and on the other, from the wider public, who contribute to quality of life through numerous participatory projects that are 100 per cent funded. The funding scheme for this is called Grätzlmarie.
As with ‘Smarter Together’, work under ‘WieNeu+’ is again carried out in programme areas. This creates and harnesses synergies: in Innervoriten (2021–2023), Grätzl 20+2 (2023–2025) and Hernals (2026–2028).
Bojan Schnabl


Stadt Wien / Bojan Schnabl