Wiener Beitrag zum sozialen Europa mit Zukunft

Housing for All – Bericht zur Konferenz

Am 4. und 5. Dezember 2018 fand in Wien die große Konferenz zum sozialen Wohnen in Europa statt: Housing for All.

Anlässlich der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft wurde das Wiener Erfolgsmodell des sozialen bzw. geförderten Wohnbaus in einem europäischen und globalen Kontext präsentiert. Der Wiener soziale Wohnbau trägt zu vielen wichtigen europäischen und globalen Zielen bei: Integration, soziale Nachhaltigkeit, Förderung der positiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dynamik. Insbesondere ist der Wiener soziale bzw. geförderte Wohnbau – speziell aus der perspektive von Smarter Together – ein wichtiger Beitrag für die Erreichung der UN -Klimaziele.

Auch Smarter Together war mit einem eigenen Info-Stand, zwei Grätzelführungen und einem VR-Rundgang mit dabei und präsentierte zukunftsweisende Lösungen.

Michaela Kauer, Karin Ramser, Kathrin Gaál, Michael Ludwig (v.l.n.r.), Foto Chrisitan Fürthner
Karin Ramser, Foto Chrisitan Fürthner
Leilani Farha, Foto Chrisitan Fürthner

PUSH (2019) OFFICIAL TRAILER

Was sollte die Konferenz bewirken?

Am Ende der Konferenz wurden Erfordernisse formuliert, wie sie der europäische Gesetzgeber berücksichtigen muss – und zwar aus der perspektive der beschäftigten, der Wohnbauträger, der Konsumernten, der Städte sowie der Mitgliedsstaaten.

Bessere Wohnbaupolitiken Europaweit

Welcher rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen bedarf es, damit in Europa mehr in leistbares Wohnen investiert wird? Was bringt leistbarer Wohnbau den europäischen Städten und der Wirtschaft? Auf der Wiener Konferenz diskutierten Städtevertreter, Bürgermeister, Wohnbauträger, Mietervertreter sowie Experten mit EU-vertretern über bessere Wohnbaupolitiken und über Wege aus der Krise.

In der Folge einige Ausschnitte der spannenden und inspirierenden Konferenz, die den Teilnehmern Hoffnung gab, dass durchaus viele positive Kräfte Europa mitgestalten und dass sie „zu Hause“ ihren jeweiligen Beitrag leisten können.

Kathin Gaál bei der Housing for All Konferenz

"Das Wiener Modell, ein Best Practice für Europa"

Kathrin Gaál, Wien’s Frauen- und Wohnbaustadträtin: “Wir in Wien betrachten Wohnen als Grundrecht und als öffentliche Aufgabe!“  

62 % der Wienerinnen und Wiener leben in einer geförderten Wohnung, das sind 220.000 Gemeindewohnungen und über 200.000 geförderte Wohnungen, verteilt auf die ganze Stadt. Im Unterschied zu den meisten anderen europäischen Metropolen hat Wien seine Gemeindewohnungen nicht privatisiert.
„Zahlreiche Anliegen, die wir in Europa in führender Position vertreten, haben wir in Wien bereits erfolgreich umgesetzt. Wir in Wien betrachten Wohnen als ein Grundrecht sowie als öffentliche Aufgabe, genügen leistbare Wohnungen bereitzustellen. Der große Anteil von geförderten Wohnungen sowie die umfassenden Investitionen im Bereich der Wohnbausanierungen haben einen preis-dämpfenden Effekt auf den Wohnungsmarkt als Ganzes,“ so Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál und weiter:
„Im Bereich des geförderten Wohnbaus und der Gemeindewohnungen gibt es keine Vermittlerprovisionen, keine Lagezuschläge und keine Weitervermietungs-Effekte, die Mieten in Astronomische steigern. Es gibt ausschließlich unbefristete Mietverträge und gedeckelte Mieten. Das ist etwas, was es sonst nirgendwo in diesem Ausmaß gibt. Da die Einkommensgrenzen für diese Wohnungen bewusst relativ hoch sind, sprechen sie die breite Mittelschicht an, die eben auch Zugang zu diesem Wohnungssegment hat und Mieten in der Höhe von 4 bis 5 Euro pro Quadratmeter zahlt. Das ist die größte Förderung, die auch der Mittelschicht zugutekommt.“

Housing For All-Konferenz mit Michael Ludwig und Kathrin Gaál (v.l.), Foto Christian Fürthner
Housing for All-Konferenz mit Bürgermeister Ludwig und Kathin Gaál (Mitte), Foto Chrisitan Fürthner
Kathrin Gaál am Rednerpult der Housing for All-Konfferenz, Foto Christian Fürthner

Michael Ludwig bei der Housing for All-Konferenz

"Wohnen in eine öffentliche Aufgabe"

Michael Ludwig, Wiener Bürgermeister, meinte, dass Städte entsprechende Rahmenbedingungen benötigten – insbesondere um Investitionen in leistbares Wohnen zu stärken.

„Städte sind der Motor Europas. Zwei drittel der EU-Bevölkerung lebt in städten. Deshalb kommt den Städten eine entscheidende Rolle beim Projekt der europäischen Integration zu. Insbesondere sind sie dazu aufgerufen, zu handeln, um den globalen Herausforderungen zu begegnen sowie soziale Inklusion und wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen. Deshalb brauchen die Städte entsprechende Rahmenbedingungen – insbesondere um Investitionen in leistbares Wohnen zu stärken,“ so Michale Ludwig und weiter:
„Nicht zuletzt, der freie markt wird nie leistbaren Wohnraum für die breite Bevölkerung bereitstellen. Besondere Politiken sind deshalb notwendig, um dieses Ziel zu erreichen. Die „Partnerschaft fürs Wohnen“ im Rahmen der ‚Urban Agenda‘ der EU hat konkrete Gesetzesvorschläge für die Europäische Kommission erarbeitet, die heut hier in Wien vorgestellt werden und die ohne Verzögerung umgesetzt werden sollten. Jetzt ist der EU-Gesetzgeber an der Reihe – die Europäische Kommission, die EU-Mitgliedsstaaten sowie das Europäische Parlament. Europa muss jetzt handeln und Maßnahmen setzen, um die unerwünschten Entwicklungen auf Europas Wohnungsmarkt zu bekämpfen.“

Leilani Farha bei der Housing for All-Konferenz

"Wohnen ist ein Menschenrecht, nicht eine Annehmlichkeit"

Leilani Farha, Uno-Sonderberichterstatterin für leistbares Wohnen hielt eine Keynote an der Konferenz und sprach von ihrer Initiative „The Shift” – die Veränderung jetzt.

Leilani Farha ist sei 2014 UNO-Sonderberichterstatterin für leistbares Wohnen. Die kanadische Anwältin und Aktivistin stellte ihre Initiative “Make the Shift” – “Veränderung jetzt” vor, die Gemeinden und die Verwaltungen von Städten unterstützt, um rasch auf die negativen Entwicklungen zu reagieren.

Leilani Farha: „Die Geschwindigkeit und der Umfang, wie Finanzakteure und Fonds Wohnraum und Immobilienmarkt übernehmen und damit dazu beitragen, dass Wohnen nicht mehr leistbar ist, das es zu Outcrouding-Effekten und zu Wohnungslosigkeit kommt, ist schlichtweg atemberaubend. Wohnen ist ein Schlüssel für das 21. Jahrhundert.“ Weiter: „Städte sind die treiben Kräfte der nationalen Wirtschaften. Es ist daher im Interesse aller Ebenen von Politik und Verwaltung zusammenzuarbeiten, um leistbares Wohnen zu gewährleisten und um so, das was Städte so attraktiv macht, zu schützen: Diversität und Inklusion.“

Leilani Farha rief die Städte auf, die Erklärung „Städte für leistbares Wohnen“ / Cities for Adequate Housing zu unterschreiben. Vor Beginn wurde ihr Video „The Push“ gezeigt

Smarter Together Projektleiterin Julia Girardi-Hoog im Gespräch, oto von Zsolt Marton
Grätzelspaziergang vor der VHS Simmering, Foto von Zsolt Marton
Besuchergruppe in der BWSG, Foto von Zsolt Marton

Smarter Together Stand, Grätzelspaziergang und VR-Rundgang

Im Rahmen der „Housing for All Konferenz“ im Dezember 2018 hatte Smarter Together seinen eigenen Info—Stand. ProjektmitarbeiterInnen standen interessierten BesucherInnen Frage und Antwort.

Im Rahmen der Konferenz wurden auch zwei Grätzelspaziergänge für internationale Gäste veranstaltet. Gemeinsam mit Vertreterinnen des wohnfonds wien und der GB* wurde das Projektgebiet erkundet und Fragen zur Blocksanierung, Sanfter Stadterneuerung und Smarter Together erörtert.

Mehr Bilder von den Study Visits – den grätzelspaziergängen gibt’s hier.

Schließlich wurde ein VR Rundgang durch das Smarter Together-Projektgebiet erstellt, bei dem neben Smarter Together auch die Aktivitäten der Stadt Wien im Bereich der „sanften Stadterneuerung“ in einem virtuellen Rundgang durch das Grätzel Enkplatz-Geiselberg-Braunhuberviertel entdeckt werden können.

Den VR-Rundgang gibt’s auf Deutsch und auf Englisch. Details hier.

Weitere Downloads hier: https://housing-for-all.eu/download/

English Summary / Zusammenfassung in Englisch:

Housing for All – The International Conference

On 4 and 5 of December 2018, Vienna hosted within the Austrian EU Presidency the Housing for All Conference promoting Vienna’s model of social resp. subsidized housing as European contribution to societal, economic and – especially from the perspective of Smarter Together H2020-project – global environmental challenges.

Smarter Together too contributed with an information booth, two walks through the project district as well as with a VR-walk to the conference in order to joint European vision.

More information on the homepage: https://housing-for-all.eu/

What was the conference about?

Requirements to be met by the EU legislators have been formulated at the end of the conference – from the perspective of the employees, the housing providers, the consumers, the cities and the member states.

Better housing policies for Europe

Which legal and financial conditions are necessary in Europe to increase investment in affordable housing? Which benefits does affordable housing provide for European cities and the economy? – At the Vienna conference mayors and other representatives from cities and municipalities, housing providers, tenants’ representatives and also experts discussed better housing policies and ways out of the crisis with representatives from EU institutions. Towards the end of the conference, requirements for EU legislators have been formulated from the point of view of member states, cities, municipalities, housing providers, trade unions and tenants` representatives.

Kathrin Gaál, Vienna`s Councillor for Women’s Issues and Housing, said: „We in Vienna view housing as a fundamental right and regard it as a public task!“

The Vienna Model as a best practice for Europe

62 percent of Vienna’s inhabitants live in subsidized dwellings, i.e. in 220,000 municipal flats or over 200,000 subsidized flats located all over Vienna. Contrary to most other European metropolises, Vienna has not privatized its stock of municipally-owned dwellings. ”Many concerns that we advocate at the European level in a leading position have already been successfully implemented by Vienna. We in Vienna view housing as a fundamental right and regard it as a public task to create a sufficient volume of affordable housing. The great number of subsidized dwellings as well as the comprehensive investments undertaken in the field of housing rehabilitation have a price-damping effect on the housing market as a whole”, Vienna’s City Councillor Housing Kathrin Gaál commented. ”In the areas of subsidized housing construction and municipal flats, there are no real-estate agent’s commissions, no location premiums and no re-rental effects causing rents to skyrocket. There are only unlimited tenancy contracts and capped rants – this is a situation that exists nowhere else to this extent. Since income thresholds for these flats were deliberately set relatively high, broad middle-class strata, too, have access to these flats, with net rents of 4 to 5 Euros per square meter. This is the biggest subsidy extended to the middle classes”, Gaál explained.

Michael Ludwig, Mayor of Vienna, said that cities need adequate frame conditions – above all to boost investment in affordable housing.

„Housing is a public task“

„Cities are the engine that drives Europe’s development; two thirds of the EU population live in cities. For this reason, cities assume a decisive role for the project of European integration. In particular, they are called upon to act in order to cope with global challenges, social inclusion and economic development. Therefore cities need adequate frame conditions – above all to boost investment in affordable housing”, as Michael Ludwig, Mayor of the City of Vienna, affirms. “After all, the free market will never supply broad strata of the population with affordable housing. Specific policies are therefore needed to attain this goal. The ‘Partnership on Housing’ within the scope of the EU Urban Agenda has developed concrete legislative proposals for the EU Commission, which will be presented today here in Vienna and which should be implemented without delay. Now it is the turn of the EU legislators – and of the European Commission, all EU Member States and the European Parliament. Europe must act now and take measures to combat undesirable developments in Europe’s housing markets”, Ludwig continues.

Leilani Farha, the UN Special Rapporteur on Adequate Housing, hold the keynote at the conference and presented her initiative „The Shift”

”Housing is a human right – not a commodity”

Leilani Farha, since 2014 the UN Special Rapporteur on adequate housing, emphasises. At the conference, the Canadian lawyer and activist presented her initiative “Make the Shift”, which is to support municipalities and city administrations in responding rapidly to this negative development. “The speed and extent to which financial enterprises and funds take over housing space and real estate, causing a lack of affordability as well as crowding-out effects and homelessness in the cities, are staggering. Housing is a key issue of the 21st century”, Farha comments. “Cities are drivers of national economies. It is hence in the interests of all levels of government to co-operate in order to safeguard adequate and affordable housing, thereby protecting what makes cities great: diversity and inclusion.“ Leilani Farha calls upon municipal administrations to support and sign the declaration “Cities for Adequate Housing”. Before her speech the video „The Push“ was shown.

 

Smarter Together at the European Conference with a Global Vision

In the framework of the “Housing for All” Conference in Vienna in December 2018, Smarter Together had its own booth being even in Vienna a best practice innovation project. Project staff gladly shared vision and information on Smarter Together.

As a second special service, two district walks were held for international visitors showing on-site the project results and developments as well as issues related to soft urban renewal and the work of the wohnfonds wien.

Finally, a VR walk through the Smarter Together project area has also been developed. In this VR-Walk, Information is also provided on the “Soft urban Renewal” that is so characteristic for Vienna’s way of doing it since 40 years, ensuring that tenants can stay in their homes, that housing stays affordable and that the city is renewed in an attractive way. Everyone can see that by discovering the city through extensive smart and charming walks.

Details here.

Bojan Schnabl, Quelle: Housing for All